Page 10 - Saarländisches Ärzteblatt, Januar-Ausgabe 2020
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aus w i ss e n sc h af t u n d f o r sc h u n g

3 Studien keinen klaren Vorteil im Vergleich zu einer medika­ aus kardiovaskulären Todesfällen, Schlaganfall und Myo­kard­

mentösen Therapie (Thrombozytenhemmung bzw. orale infarkt, durch eine niedrig dosierte Gabe von Rivaroxaban (2 x

Antikoagulation) nachweisen konnten. Der eindeutige Nachweis, 2,5 mg) zusätzlich zu ASS 100 mg hochsignifikant verhindert

dass der interventionelle Verschluss des PFO sekundäre werden konnte.

Ereignisse bei gefährdeten Personen verhindern kann, konnte

erst 2017 übereinstimmend in 3 Studien erbracht werden, was Pro (Florian Custodis):

letztlich zu einer kompletten Neubewertung der Situation durch Mehrere Argumente sprechen dafür, ein breites Patient­en­

die Fachgesellschaften führte (Abbildung 4). Die klare Emp­ kollektiv entsprechend der COMPASS-Studie zu behandeln.

fehlung der gemeinsamen Leitlinie ist daher, bei Patienten zwi­ Patienten mit einer pAVK weisen ein sehr hohes Risiko für

schen 16 und 60 Jahren mit einem kryptogenen ischämischen kardiovaskuläre Ereignisse auf. Insbesondere, wenn es zu sog.

Schlaganfall und offenem Foramen ovale mit moderatem oder Gefäßereignissen (MALE) wie Amputation oder Intervention

ausgeprägtem Rechts-Links-Shunt einen interventionellen PFO- kommt. Vor allem Patienten mit einem ausgeprägt hohen kar­

Verschluss durchzuführen.                                    diovaskulären Risiko (KHK + pAVK) haben in COMPASS die

Pro und Contra Diskussion: „KHK und pAVK –                   größte Risikoreduktion erfahren. Daher sollte hier frühzeitig

                                                             eine entsprechende Behandlung mit ASS und Rivaroxaban
Die COMPASS-Studie zeigt: ASS alleine genügt nicht!“ erwogen werden. Hinzu kommt, dass das Risiko der unter

                                                             Alltagsbedingungen zu behandelnden Patienten auf dem Boden

Die 2017 publizierte COMPASS-Studie, eine randomisierte inter­ vorhandener Untersuchungen (REACH-Register) deutlich höher

nationale Multicenterstudie schloss weit über 20.000 Patienten, eingeschätzt werden muss als das Risiko der Studienpopulation.

die eine koronare Mehrgefäßerkrankung, eine periphere arte­

rielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder auch eine belegte Contra (Patrick Müller-Best):

Atherosklerose in anderen Gefäßabschnitten aufwiesen, ein. Ein wesentliches Argument, eine Kombination aus ASS und

Geklärt werden sollte die Frage, ob eine Behandlung mit dem Rivaroxaban zurückhaltend einzusetzen, sind die unter Stu­

NOAK Rivaroxaban zusätzlich zu ASS die Prognose dieser dienbedingungen aufgetretenen Blutungskomplikationen. So

Hochrisikopatienten verbessern kann. Es zeigte sich, dass das traten unter Rivaroxaban signifikant mehr schwere Blutungen

Auftreten des primären Endpunktes der Studie, der Kombination auf, die den prognostischen Nutzen des Konzeptes abschwä­

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              Abbildung 4

              Saarländisches Ärzteblatt n Ausgabe 1/2020
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