Page 3 - Saarländisches Ärzteblatt, Dezember-Ausgabe 2019
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editorial

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,

wieder geht in wenigen Tagen ein turbulentes Jahr zu Ende. In den letzten Wochen beherrschten
Skandale im Gesundheitswesen die öffentliche und politische Diskussion, leider mit nicht immer
seriöser und ausreichend gut recherchierter Berichterstattung in den Medien. Komplexe Zusam­
menhänge und detaillierte juristische Vorgaben sind oft nur schwer zu verstehen und noch
schwieriger medial zu vermitteln. Eine vereinfachte, skandalorientierte Berichterstattung – mög­
lichst noch mit Schuldzuweisung – verkauft sich einfach besser...
Wir haben versucht, nicht durch die Forderung nach Richtigstellung oder Beteiligung an einer
öffentlichen Diskussion, sondern durch sachliche Hintergrundinformation und konstruktive
Verbesserungsvorschläge bestehende Probleme in der Zukunft besser zu lösen. Zum Thema
„Sexuelle Gewalt gegen Kinder erkennen“ haben wir gemeinsam mit der Psychotherapeutenkam­
mer eine sehr gut besuchte Fortbildungsveranstaltung durchgeführt. Wir berichten hierzu in
diesem Heft und wir werden das Thema auch weiter verfolgen. An einer rechtssicheren Neu­
strukt­urierung des Interventionsprogrammes für suchtkranke Ärzte arbeiten wir mit dem Ge­
sundh­­ eitsministerium und der Approbationsbehörde. Die Prozesse und Abläufe in der Ärzte­
kammer werden wir optimieren.
Weitere wichtige Themen – auch zur Erhöhung der Patientensicherheit – sind aus unserer Sicht
die Fachsprachenprüfung und die Kenntnisprüfung ausländischer Kolleginnen und Kollegen.
Hier hatten wir der Approbationsbehörde schon Mitte des Jahres Unterstützung durch die
Ärztekammer angeboten. Die bereits fortgeschrittenen Gespräche sind leider durch die aktuellen
Ereignisse ins Stocken geraten. Sie sollten nach unserer Überzeugung schnellstmöglich wieder
aufgenommen werden.
Ein Dauerthema, das zunehmend intensiver auf verschiedenen Ebenen behandelt wird, ist das
Thema „Digitalisierung“. Am 07.11. hat der Bundestag das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ von
Bundesg­ esundheitsminister Spahn beschlossen. Ab 2020 dürfen Ärzte Gesundheits-Apps ver­
ordnen, die zuvor vom BfArM auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft wur­
den. Video-Sprechstunden sollen Alltag werden. Rezepte können elektronisch ausgestellt werden.
Zum 01.01.2021 soll es schließlich auch die elektronische Patientenakte geben.
Ich denke, dass wir seitens unserer Ärztekammer hier gut aufgestellt sind. Die Vertreterv­ er­
sammlung hat am 23.10.2019 auch einen Ausschuss Digitalisierung gewählt. Er wird mit den
entsprechenden Gremien bei der Bundesärztekammer zusammenarbeiten. Eine gemeinsame
Arbeitsgruppe von Ärztekammer und KV Saarland arbeitet an Empfehlungen zur möglichen
Umsetzung der Fernbehandlung. Unsere Beratungsergebnisse bringe ich als Vorsitzender der
AG Fernbehandlung der Bundesärztekammer in die dortigen Beratungen mit ein. Ich gehe davon
aus, dass wir bis zum Deutschen Ärztetag (DÄT) im kommenden Jahr zumindest ein Zwischen­
papier mit konkreten Empfehlungen vorlegen können.
Digitalisierung einschließlich Fernbehandlung und Integration von KI zur Unterstützung unserer
ärztlichen Tätigkeit sollten wir als Chance betrachten und konstruktiv und verantwortungsbe­
wusst mitgestalten.
Insofern erwarte ich auch eine spannende und aufgabenreiche Zukunft.
Für das zu Ende gehende Jahr möchte ich aber an dieser Stelle Ihnen allen danken, – für Ihr
Engagement zum Wohl unserer Patienten und allen Gremienmitgliedern für Ihr Engagement zur
Gestaltung der Rahmenbedingungen unserer ärztlichen Tätigkeit.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich gute Advents- und Weihnachtstage und wenigstens etwas
Zeit zur Erholung!

Mit kollegialen Grüßen

Ihr

Josef Mischo                                         3
Präsident
              Saarländisches Ärzteblatt n Ausgabe 12/2019
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