Page 8 - Saarländisches Ärzteblatt, Januar-Ausgabe 2020
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aus w i ss e n sc h af t u n d f o r sc h u n g

Aktuelles aus der Herz-Kreislauf-Medizin:
Symposium der Herz-Allianz-Saar 2019

Von F. Custodis1, M. Böhm2, C. Özbek3, Y. Bewarder2,                              der Prävention zeigen Befunde einer Studie von Christian
E. Friedrich4, F. Mahfoud2, L. Jochum3, F. Gatto3, P. Müller-Best5,               Werner von der Universitätsklinik des Saarlandes, dass Telo­
M. Kindermann6                                                                    mere und das Enzym Telomerase, wesentliche Regulatoren zel­
                                                                                  lulärer Alterungsprozesse, durch Sport positiv reguliert werden.
Das jährliche Symposium der „Herz Allianz Saar“ hat sich mitt­                    Insbesondere Ausdauertraining und Intervalltraining führten
lerweile zu einer festen Größe im saarländischen Fortbildungs­                    im Gegensatz zu Krafttraining zu einer vermehrten Telomera­
kalender entwickelt. Am 15. Juli 2019 fand die nunmehr                            seaktivität und einer gesteigerten Telomerlänge bei vormals
4. Ausgabe dieses Symposiums in der Kongresshalle in Saar­                        sportlich inaktiven gesunden Probanden. Diese Befunde tragen
brücken statt. Die Herz-Allianz-Saar wurde 2016 gegründet, um                     wesentlich zum Verständnis der positiven Effekte sportlicher
zwischen den herzkatheterführenden Kliniken, niedergelasse­                       Aktivität bei (Abbildung 1). Ausführlich ging Böhm auf die 2018
nen Kardiologen, Internisten und Allgemeinärzten einen                            in neuer Version erschienenen Leitlinien der ESC zur arteriel­
Austausch über Innovationen in der Herz-Kreislauf-Medizin zu                      len Hypertonie ein. Während sich die grundsätzliche Definition
etablieren und eine Implementierung gemeinsamer Standards                         der arteriellen Hypertonie nicht geändert hat, gilt als
für die klinische Praxis zur Verbesserung der Versorgung von                      Therapieziel jetzt für nahezu alle Patienten ein Blutdruck von
Herz-Kreislauferkrankten Patienten im Saarland zu fördern.                        120-130/70-80 mmHg. Bereits zu Beginn der Therapie soll eine
Vor 170 Internisten, Kardiologen und Allgemeinmedizinern aus                      feste Kombination aus einem RAAS-Inhibitor und einem
Praxen und Krankenhäusern des Saarlandes und der Pfalz                            Calciumantagonisten zum Einsatz kommen. Eine interventio­
eröffnete Gesundheitsministerin Monika Bachmann die Ver­                          nelle Behandlung der Hypertonie in Form der renalen Dener­
anstaltung und führte das Auditorium fach- und sachkundig                         vation stellt ein wirkungsvolles Verfahren dar, welches aktuell
durch die Entwicklung der Kardiologie in den letzten Jahren.                      vor allem unter Einsatz neuer Denervationskatheter und
Insbesondere verwies die Ministerin auf die zunehmende                            Techniken Gegenstand laufender klinischer Studien ist. Ob eine
Bedeutung moderner interventioneller Verfahren wie z.B. den                       primärprophylaktische Implantation eines Defibrillators bei
interventionellen Aortenklappenersatz (TAVI), für den jüngst                      Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie von prog­
auch bei Patienten mit Aortenklappenstenose und niedrigem                         nostischem Nutzen ist, untersuchte eine Studie, die Patienten
Operationsrisiko gezeigt werden konnte, dass er dem chirurgi­                     einer kardialen Kernspintomographie unterzog, um das
schen Aortenklappenersatz mindestens ebenbürtig ist.                              Vorhandensein einer myokardialen Narbe mittels „late gadoli­
                                                                                  nium enhancement“ nachzuweisen. Es zeigte sich, dass insbe­
„Aktuelles und Originelles“ der letzten 12 Monate                                 sondere die Patienten, bei denen Narbengewebe nachweisbar
in der Kardiologie                                                                war, von einer ICD-Implantation im Sinne einer reduzierten
                                                                                  Sterblichkeit profitierten.
Unter dem Titel „Aktuelles und Originelles der letzten 12
Monate in der Kardiologie“ führte Michael Böhm aus Homburg
entlang des „Kardiovaskulären Kontinuums“ durch die wich­
tigsten Publikationen des vergangenen Jahres. Für den Bereich

1	 Klinikum Saarbrücken, Innere Medizin II, Klinik für Herz-,

Lungen- und Gefäßkrankheiten, Intensivmedizin und Angiologie,

66119 Saarbrücken

2	 Universitätsklinikum des Saarlandes, Klinik für Innere Medizin III,

Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin,

	 66421 Homburg/Saar

3	 Herzzentrum Saar, Völklingen, Kardiologie und Angiologie,

	 66333 Völklingen

4	 Medizinische Klinik II (Kardiologie, Pneumologie,

Intensivmedizin), Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Saarlouis,

66740 Saarlouis

5	 Marienhausklinik Ottweiler, Klinik für Innere Medizin,

8 	 66564 Ottweiler
           6	 CaritasKlinikum Saarbrücken, St. Theresia, Klinik für Kardiologie,

Angiologie und Pneumologie, 66113 Saarbrücken                                     Abbildung 1

Saarländisches Ärzteblatt n Ausgabe 1/2020
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