Page 5 - Saarländisches Ärzteblatt, Oktober 2026
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AUS DER ÄR Z TEK AMMER Ä R
Z
TEK
75 Jahre Versorgungswerk
der Ärztekammer des Saarlandes A MMER
Eine Erfolgsgeschichte ärztlicher Selbstverwaltung und solidarischer Vorsorge
Im September feierte das Versorgungswerk der Ärztekammer
des Saarlandes sein 75jähriges Bestehen. Das Jubiläum bie
tet Anlass, auf die Anfänge einer Einrichtung zurückzublicken,
die aus einer besonderen historischen Situation heraus ent
standen ist und sich über drei Viertel eines Jahrhunderts zu
einer leistungsfähigen Säule der Alters und Hinter bliebe
nenversorgung der saarländischen Ärzte und Zahnärzte
schaft entwickelt hat.
Ein Frühstarter in eigener Verantwortung
Mit seiner frühen Gründung im Jahr 1951 gehört das Ver
sorgungswerk der Ärztekammer des Saarlandes zu den ältes
ten berufsständischen Versorgungswerken Deutschlands.
Während die große Rentenreform unter Bundeskanzler
Konrad Adenauer sechs Jahre später den entscheidenden
Impuls für die flächendeckende Ausbreitung der berufsstän
dischen Versorgung gab, war das Saarland gewissermaßen
ein „Frühstarter“.
Was sagt uns das über die Gründungsidee? Der Journalist
Walter Kannengießer hat die berufsständischen Versorgungs
werke als „Kind der Not“ bezeichnet. Der Titel seines Buches
„In eigener Verantwortung“ bringt zugleich einen wesentli
chen Grundgedanken auf den Punkt: Die Ärztinnen und Ärzte
sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte im Saarland waren sehr
früh bereit, Verantwortung für die Altersversorgung ihres
Berufsstandes zu übernehmen. Foto: Versorgungswerk
Aus der Not heraus entstanden
Die Gründung des Versorgungswerkes fiel in eine Zeit, die Die Eröffnungsfestschrift von 1957 zeigt das „Haus der Ärzte” in der
von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen des Feldmannstraße in Saarbrücken.
Zweiten Weltkriegs geprägt war. Gerade die Ärzte und Zahn
ärzteschaft war mit erheblichen wirtschaftlichen Unsicher Andere Ärzte und Zahnärztekammern sowie Angehörige
heiten konfrontiert. Bereits 1946 wurden deshalb Über le anderer freier Berufe warteten zunächst die sozialpolitische
gungen angestellt, eine eigene Alters und Hinterbliebenen Entwicklung der 1950erJahre ab und wurden insbesondere
versorgung für die saarländische Ärzte und Zahnärzteschaft dann initiativ, als der Gesetzgeber die Freien Berufe von der
aufzubauen. damals grundlegenden Reform der gesetzlichen Rentenver
Dabei standen unterschiedliche Modelle zur Diskussion. Eine sicherung ausnahm. Für das Saarland galt jedoch: Die Ärzte
Möglichkeit war die Errichtung eines eigenständigen Versor schaft und die Zahnärzteschaft haben sich früh entschieden,
gungswerkes, alternativ wurde eine Anbindung an die Lan die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
des versicherungsanstalt für das Saarland erwogen. Die Ent Wer seine Altersversorgung selbst organisiert, übernimmt
scheidung fiel eindeutig: In einer Urabstimmung sprachen sich Verantwortung – und zwar eine langfristige. Er muss Struk
91,65 Prozent der saarländischen Ärzte und Zahnärzte schaft turen schaffen, Regeln formulieren und Grundsätze entwi
für ein unabhängiges, eigenständiges Versorgungswerk aus. ckeln, die nicht nur in der Gegenwart tragen, sondern auch
Diese Entscheidung war mehr als eine organisatorische nach Jahrzehnten Bestand haben können. Genau darin liegt
Weichenstellung. Sie war ein klares Bekenntnis zu beruflicher eine der besonderen Leistungen der berufsständischen Ver
Selbstverwaltung, Eigenverantwortung und zur gemeinsamen sorgung: Sie verbindet Eigenverantwortung mit Solidarität 5
Verantwortung des Berufsstandes für seine soziale Sicherung. und denkt über die eigene Generation hinaus.
Saarländisches Ärzteblatt Ausgabe 10/2026

