Page 9 - Saarländisches Ärzteblatt, März 2026
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ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG



      Interventionelle Behandlungsoptionen bei Venösen                                                              FOR TBILDUNG

      Malformationen im Kopf-Hals-Bereich




      Elmar Spüntrup 1,2,3 , Yaroslaw Isaev , Stefan Fernes 1,2,3  Die Diagnose wird klinisch, sonographisch und mittels MRT
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      Franz Stangl , Klaus Bumm , Michael S. Steffen 2,3,7  mit Kontrastmittel gestellt. Ggf. kann bei unklaren Fluss-
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      und Christian Knipfer 8                              verhältnissen die MRT mit einer 4D-MR-Angiographie  (zeit-
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                                                           lich aufgelöste 3D MRA) kombiniert werden.
      Einführung
      Vaskuläre Malformationen gehören zu den angeborenen
      Gefäßanomalien  und  sind  eine  heterogene  Gruppe  an  Fehl-
      bildung in der Gefäßentwicklung. Eine wichtige Einteilung
      beinhaltet  die  Unterscheidung  zwischen  slow­flow  Mal for­
      mationen  und  high­flow  Malformationen   1,2 . In der Gruppe
      der  slow­flow  Gefäßanomalien  sind  die  venösen  Malfor ma­
      tionen  die  häufigsten  und  können  im  gesamten  Körper  auf-
      treten  , wobei in ca. 40% die Kopf­Hals­Region betroffen ist  .
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      Hierbei  handelt  es  sich  um  ein  Konvolut  aus  erweiterten
      pathologischen venösen Gefäßen, welches sich typischer-
      weise bei Belastung oder in Tieflage verstärkt füllt und dann
      oft mit Schmerzen symptomatisch wird  . Bei oberflächlicher
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      Lage ist klinisch oft eine komprimierbare Schwellung mit   Abbildung 1:
      bläulich durchschimmernden venösen Gefäßen erkennbar.   a) MRT einer venöse Malformation der Fossa temporalis rechts bei einem
                                                           Kleinkind, coronares FLAIR-Bild. Zwei Phlebolithen sind als signalarme
      Im Kopf-Hals-Bereich und bei subkutaner Lage kommen   rundliche Strukturen erkennbar (Pfeilköpfe).
      daher  kosmetische  Aspekte  hinzu.  Nur  selten  kommt  es  zu   b) venöse Malformation am Oberarm, 5-jähriges Kind, T1-gewichtete
      Infektionen  oder  thrombembolische  Komplikationen   2,3,5 .  Sequenz nach i.v. Kontrastmittelgabe (weiße Pfeile). Es findet sich eine
      Venöse  Malformationen  können  auch  in  Kombination  mit   Beteiligung des Knochens (gestrichelter Pfeil). Ein Phlebolith ist als
      lymphatischen Anteilen auftreten (Mischmalformationen)  .  Kontrastmittelaussparung erkennbar (weißer Pfeilkopf)
                                                      1,3
      Gerade  im  Teenageralter/in  der  Pubertät  oder  auch  bei   Bei der Therapie steht zunächst die Symptomkontrolle durch
      Schwangerschaften etc. nimmt die Größe und damit oft auch   Analgesie und ggf. bei Erwachsenen die Prophylaxe durch
      die Symptomatik von venösen Malformationen zu. Aber auch   Antikoagulation im Vordergrund  2,4 . Kompressionstherapien,
      im Kleinkindesalter kann bereits ein ausgedehnter und deut-  wie sie an Extremitäten möglich sind, können im Kopf-Hals-
      lich progredienter Befund vorliegen (Abbildung 1a)). Anato-  Bereich  nicht  angewendet  werden.  Eine  rein  chirurgische
      mi sche Grenzen werden von den Malformationen dann  nicht   Intervention neigt zu Rezidiven und  kommt daher solitär nur
      mehr respektiert und es kommt oft ein diffuses fingerförmi-  bei kleinen, umschriebenen Läsionen in Frage, oder erfolgt
      ges Wachstum in die umgebenden Strukturen hinzu. Auch   komplementär im Rahmen eines interdisziplinären multimo-
      eine knöcherne Beteiligung kann vorliegen (Abbildung 1b).   dalen Therapiekonzeptes   1,3,4 . Primär wird heute zumeist
                                                           symptomorientiert interventionell lokal behandelt. Dabei hat
                                                           sich als interventionelles Verfahren die perkutane Direkt-
                                                           punktion, zumeist unter sonographischer Steuerung, und
                                                           dann  die Injektion eines Sklerosemedikamentes unter  Rönt-
      1    Institut für Radiologie, Diagnostische und Interventionelle Radiologie und   4,7
       Neuroradiologie, Klinikum Saarbrücken, Winterberg 1, 66119 Saarbrücken,   gendurchleuchtung etabliert   . Ziel ist es dabei, dass das
       Germany                                             Sklerosemittel eine Reizung der Innenhaut der  pathologi-
      2    Neurovaskuläres Zentrum (NVZ), Klinikum Saarbrücken, Germany
      3    Triple zertifiziertes Gefäßzentrum, Klinikum Saarbrücken, Germany  schen Venen verursacht, mit sekundärer Thrombosierung
      4    Sektion Kinderchirurgie, Zentrum für operative und konservative   und dann Fibrosierung mit Vernarbung.
        Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Saarbrücken, Germany  Häufig eingesetzte Sklerosemedikamente sind Aethoxysklerol
      5    Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie und
       Neuroradiologie, Klinikum Augsburg, Augsburg, Germany  (Polidocanol) oder Bleomycin  2,4,7 . Gerade für Aethoxysklerol
      6    Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie,   ist dabei die Anfertigung eines Schaumes durch Mischung
       plastische Operationen, Caritasklinikum Saarbrücken, Saarbrücken,
       Germany                                             mit steriler Luft etabliert, wodurch ein zu rasches Ab -
      7    Klinik für Gefäß­ und endovaskuläre Chirurgie, Klinikum Saarbrücken,   schwimmen des Sklerosemittels verhindert wird und damit
       Germany                                                                       3                              9
      8    Klinik für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und Plastische Operationen,   die  Kontaktzeit  erhöht  wird  .  Falls  erforderlich,  kann  die
       Klinikum Saarbrücken, Germany                       Kontaktzeit auch durch Kompression der aufnehmenden

                                                                                Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 3/2026
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