Page 7 - Saarländisches Ärzteblatt, Januar-Ausgabe 2020
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aus d e r Ä Rz t e kamm e r                                                  är z t e k a m m er

Fachtagung „Sucht und Trauma“ am 20. Februar 2020

Die Ärzte- und Psychotherapeutenkammer des Saarlandes, der peutischen Grunderfahrung an, dass vielen süchtigen Fehl­

Paritätische Wohlfahrtsverband Rheinland-Pfalz / Saarland, die entwicklungen Bindungstraumata zu Grunde liegen und sich

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der hinter den massiven Suchtsymptomen verbergen (Selbstm­ edi­

SHG-Kliniken Sonnenberg Saarbrücken und die Drogenhilfe kation). Die ambulante und stationäre Suchthilfe ist trotz der

Saarbrücken organisieren gemeinsam diese ganztägige Fach­ epidemiologischen Bedeutung dieser Komorbidität oftmals nur

tagung im Saarbrücker Haus der Ärzte.                           sehr rudimentär auf die Therapie von traumatisierten Sucht­

Suchtkranke Menschen, insbesondere Drogenabhängige weisen kranken vorbereitet. Die vorliegenden Konzepte priorisieren

erfahrungsgemäß hinter ihren manifesten Suchtproblemen oftmals die Behandlung der Suchterkrankung und das thera­

zusätzliche psychische und psychiatrische Krankheitsbilder auf. peutische Management der „typischen“ Suchtsymptomatik und:

Diese Komorbidität führt unbehandelt in aller Regel zu einer die Suchttherapeuten sind meistens keine ausgebildeten

gegenseitigen Verschärfung beider Krankheitsbilder. Anfänglich Traumatherapeuten. Damit kommt es zwangsläufig zu einer

versucht der suchtkranke Mensch im Sinne einer Selbst­medi­ Aufspaltung des therapeutischen Prozesses. Die Sucht, so die

kation bzw. kurzfristig wirksamen Affektregulation durch die oft zitierte „Lehrmeinung“, soll zunächst hinreichend bearbeitet

psychotrope Wirkung des Suchtmittels seinen psychischen und der Patient im Sinne einer stabilen Suchtmittelabstinenz

Leidensdruck zu lindern. Die Verfestigung des Suchtmittel­ gefestigt sein, bevor weitere Behandlungsziele verfolgt werden

konsums reduziert aber durch die einsetzende psychophysische können. Damit wird zwangsläufig Drogenabhängigen mit

Abhängigkeitsentwicklung die selbstregulativen Bewältigungs­ komorbiden psychischen Störungen die integrative therapeuti­

kompetenzen, und ein sich gegenseitig aufschaukelnder selbst­ sche Zuwendung verwehrt und sequenzielle Behandlungsabläufe

destruktiver Prozess wird innerpsychisch etabliert.             sind die Regel. Bei der Vermittlung von Suchtkranken mit

In der ambulanten und stationären Suchthilfe ist diese Traumatisierung stoßen wir aber gleichzeitig sektorenübergrei­

Problematik hinlänglich bekannt. Aufgrund der epidemiologi­ fend auf erhebliche Schwellen: unsere Suchtpatienten haben

schen Bedeutung soll in einer ersten Fachtagung zum Themen­ selten Zugang zur ambulanten kassenfinanzierten Psychot­he­

komplex Sucht und psychische Komorbidität der Schwerpunkt rapie oder zur stationären Psychosomatik. Die Veranstaltung

auf „Sucht und Trauma“ gelegt werden.                           soll daher aus der Sichtweise unterschiedlicher Behandlungs-

Im Vorfeld der Entwicklung von Dependenzerkrankungen und Versorgungssysteme das Problem explizieren und im

haben psychisch belastende und oftmals sequenzielle Trauma­ Idealfall auch zu Schnittstellenlösungen anregen.

tisierungen stattgefunden, welche die spätere Suchtmittela­ b­

hängigkeit funktional aufrechterhalten. Damit dient das Sucht­ Die Vorträge beziehen sich daher auf die ambulante Sucht­

verhalten einer Unterdrückung der emotionalen, kognitiven krankenhilfe, die stationäre psychosomatische Rehabilitation,

und physiologischen Traumafolgen, die als so genannte „Flash­ die stationäre Suchtrehabilitation, die Psychiatrie und die

backs“ immer wieder die Betroffenen in ihrem mühsam herge­ ambulante psychotherapeutische Versorgung.

stellten psychischen Gleichgewicht destabilisieren.

Diese von den Akteuren gemeinsam ausgerichtete Fachtagung

zum Thema „Traumatisierte Suchtkranke“ setzt an der thera­ Weitere Informationen: Veranstaltungskalender Seite 23!

Zahl des Monats: 60 Mrd.

Der Schlaganfall versursachte 2017 in 32 europäischen Ländern ligten Ländern Daten zur Verbesserung ihrer Schlaganfall-

Kosten von über 60 Milliarden Euro. Gesundheitsökonomen der Versorgung zu liefern.

Universität Oxford haben im Auftrag der europäischen Patien­ Deutschland investiert im europäischen Vergleich viel Geld in

tenvereinigung Stroke Alliance for Europe (SAFE) die wirt­ die Schlaganfall-Versorgung. Die Gesamt-Kosten aller medizini­

schaftlichen Folgen untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie schen Leistungen inklusive der Prävention des Schlaganfalls

haben sie jetzt im European Stroke Journal veröffentlicht. betragen rund 9 Milliarden Euro und damit 2,6 % der gesamten

Demnach erlitten im Jahr 2017 in den 32 untersuchten Ländern Gesundheitskosten. Die gesellschaftlichen Gesamtkosten des

Europas fast 1,5 Millionen Menschen einen Schlaganfall. Neun Schlaganfalls lagen 2017 bei geschätzten 17,6 Milliarden Euro

Millionen Europäer lebten mit den Folgen eines Schlaganfalls, und sind damit die höchsten in Europa.

mehr als 430.000 verstarben daran.                              Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, sieht durch die Studie

In der Studie wurden die Gesamtkosten des Schlaganfalls für die gute Akutversorgung und Rehabilitation von Schlaganfall-

eine Gesellschaft berechnet. Neben den medizinischen Kosten Patienten in Deutschland bestätigt. Handlungsbedarf bestehe

wurde beispielsweise auch der Produktivitätsverlust berück­ vor allem in der Nachsorge. Ein Ansatz könnte die Einführung          7

sichtigt. Erstmals beziffert wurden familiäre Leistungen wie der von Patientenlotsen in der Nachsorge sein, für die sich die

Einsatz pflegender Angehöriger. Ziel der Studie ist es, den betei­ Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stark macht.

                                                                                    Saarländisches Ärzteblatt n Ausgabe 1/2020
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