Page 12 - Saarländisches Ärzteblatt, Oktober 2026
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FOR TBILDUNG  Eine Alternative zu den bisherigen PCSK9­Inhibitoren könnte   ner Entwicklung. Mit einer Marktzulassung ist voraussichtlich
                             ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG






           die  PCSK9­siRNA  (small  interfering  RNA)  Inclisiran  sein,  wel­
                                                                aktuell nur die Lipidapharese zur Verfügung sowie in beson­
           che in Phase III Studien eine LDL­Cholesterinsenkung von
                                                                deren Einzelfällen eine Therapie mittels Pelacarsen über ein
           50 % erzielen konnte (Ray KK et al, NEJM, 2020). Aktuell sind   erst  2027  zu  rechnen.  Für  sehr  stark  Betroffene  steht  uns
           die Ergebnisse der noch laufenden kardiovaskulären End­  spezielles  Härtefallprogramm,  welches  über  spezialisierte
           punktstudien  ORION­4  (NCT03705234)  und  VICTORION­2  Lipid ambulanzen initiiert werden kann.
           Prevent  (NCT05030428)  noch  ausstehend.  Die  Ergebnisse
           werden im Laufe dieses Jahres bzw. 2027 erwartet. Die Subs­ Hypertriglyzeridämie
           tanz ist in Deutschland bereits zugelassen.
                                                                Auch erhöhte Triglyzeridwerte tragen unabhängig vom LDL­
           Für spezielle Patientengruppen stehen weitere therapeuti­  Cholesterin zum kardiovaskulären Risiko bei. Statine bleiben
           sche  Möglichkeiten  zur  Verfügung:  Bei  Menschen,  die  unter  die wichtigste Behandlungsoption. Hier gilt es, die Thera pie­
           der in Deutschland seltenen homozygoten familiären Hyper­  ziele nach dem Non­HDL­Cholesterin auszurichten.
           cholesterinämie leiden, kann die Medikation mittels Evina­  Fibrate haben weiterhin nur eine untergeordnete Bedeutung
           cumab  (monoklonaler  Antikörper  gegen  ANGPTL3)  ergänzt  und sollen nicht zur Cholesterinsenkung eingesetzt werden.
           werden, wenn unter der übrigen lipidsenkenden Medikation   Ihr Einsatz bleibt auf ausgewählte Fälle beschränkt.
           keine ausreichende Lipidsenkung eintritt. Evinacumab ist in  Zusätzliche  Therapieoptionen  umfassen:  Hochdosiertes
           Deutschland bereits ab einem Alter von 6 Monaten zugelas­  Icosa pent­Ethyl  (in  Deutschland  jedoch  aktuell  nicht  erhält­
           sen. Es handelt sich um eine monatlich verabreichte Infusion.  lich) bei bestimmten Risikokonstellationen sowie Volane­
           Unverändert  bleibt  die  Empfehlung,  die  Lipidwerte  wenige   sorsen bei der seltenen genetischen Erkrankung des familiä­
           Wochen  nach  Therapiebeginn  oder  ­anpassung  erneut  zu   ren Chylomikronämiesyndroms, wobei Volanesorsen mittler­
           überprüfen.                                          weile bereits durch das Folgepräparat Olezarsen abgelöst
                                                                wird.  Olezarsen  ist  spezifischer,  nebenwirkungsärmer  und
           Konsequente Lipidsenkung nach                        muss  nur  einmal  monatlich  appliziert  werden,  bei  Preis­
           akutem Koronarsyndrom                                parietät.

           Bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom  Besondere Patientengruppen
           wird ein besonders rasches und intensives Vorgehen betont.
           Das  Prinzip  lautet:  möglichst  rasch  und  möglichst  effektiv   Menschen mit HIV weisen ein deutlich erhöhtes kardiovasku­
           senken.                                              läres Risiko auf. Daher wird nun empfohlen, bereits ab dem
           Konkret bedeutet dies, dass eine bestehende Therapie direkt  40. Lebensjahr eine Statintherapie zur Primärprävention ein­
           während  des  Krankenhausaufenthalts  intensiviert  werden  zuleiten  –  unabhängig  von  klassischen  Risikofaktoren.  Zur
           sollte bzw. bei bislang unbehandelten Personen sofort mit  Vermeidung von Wechselwirkungen mit der antiretroviralen
           einer  hochdosierten  Statintherapie  in  Kombination  mittels  Therapie wird an erster Stelle Pitavastatin empfohlen.
           Ezetimib begonnen werden sollte. Eine frühzeitige Kontrolle   Onkologische Patientinnen und Patienten: Bestimmte Chemo­
           der LDL­C­Werte sowie eine langfristige Fortführung der  therapien,  insbesondere  solche,  die  Anthrazykline  beinhal­
          Therapie sind entscheidend.                           ten,  können  das  Herz  schädigen.  Bei  erhöhtem  Risiko  kann
           Die  Initiative  „Saarland  auf  Ziel“  hat  dieses  Konzept  bereits   der Einsatz von Statinen helfen, solche Nebenwirkungen zu
           vor zwei Jahren im Saarländischen Ärzteblatt vorgestellt. Im   reduzieren.
           Folgenden  ist  nochmals  die  empfohlene  saarländische  Vor­
           gehensweise  zur  adäquaten  Lipidtherapie  abgebildet  (Ab ­ Ernährung und Nahrungsergänzung
           bildung 1).
                                                                Eine ausgewogene Ernährung bleibt ein zentraler Bestandteil
           Die Rolle des Lipoproteins(a)                        der Prävention. Empfohlen wird eine Kost mit wenig gesättig­
                                                                ten Fetten und hohem Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln
           Erhöhte  Lipoprotein(a)  (Lp(a))­Spiegel  gelten  als eigenstän­  sowie Fisch. Als Vorbild gilt hier die mediterrane Ernährung.
           diger  Risikofaktor  für  Herz­Kreislauf­  und  Aortenklappen­  Im  Gegensatz  dazu  zeigen  Nahrungsergänzungsmittel  und
           Erkran kungen. Bereits moderat erhöhte Werte sind klinisch   Vitamine keinen nachweisbaren Nutzen zur Senkung des kar­
           relevant  und  relativ  häufig  in  der  Bevölkerung.  Epidemio lo­  diovaskulären Risikos und werden daher nicht empfohlen.
           gische  Daten  gehen  von  20%  Betroffenen  in  der  Allgemein­
           bevölkerung aus (Kronenberg F et al, Eur Heart J, 2022).  Einordnung von Statinen zugeschriebenen
                                                                unerwünschten Wirkungen
           Es wird daher empfohlen, diesen Parameter zumindest ein­
           mal  im  Leben  zu  bestimmen,  insbesondere  bei  familiärer  Eine  im  Februar  2026  in  The  Lancet  veröffentlichte  Meta­
   12      Belastung.  Neue  medikamentöse  Therapieansätze,  die  das   analyse der Cholesterol Treatment Trialists’ Collaboration lie­
           Lp(a)  gezielt  senken,  befinden  sich  derzeit  in  fortgeschritte­  fert eine umfassende Neubewertung der Sicherheit von

           Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 10/2026
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