Page 13 - Saarländisches Ärzteblatt, Oktober 2026
P. 13
ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG
Auch Vergleiche zwischen intensiver und weniger intensiver FOR TBILDUNG
Patient nach Myokardinfarkt Statintherapie weisen lediglich auf eine mögliche Dosis ab
hängigkeit bei Leberwertveränderungen hin, nicht jedoch bei
anderen Effekten.
Start mit Statin* + Ezetimib
(* Atorvastatin oder Rosuvastatin**) Die Ergebnisse fügen sich in frühere Untersuchungen zu
Muskelbeschwerden ein, die häufig als Hauptgrund für
Therapieabbrüche genannt werden. Ein erheblicher Anteil
LDL-C > 55 mg/dL LDL-C < 55 mg/dL # dieser Beschwerden tritt jedoch auch unter Placebo auf.
(bzw. LDL-C-Senkung < 50%) (und LDL-C-Senkung > 50%) Dieses Phänomen wird als NoceboEffekt beschrieben, bei
dem negative Erwartungen Symptome verstärken oder dem
Medikament zugeschrieben werden. Schätzungen zufolge
Ergänzung Bempedoinsäure sind weniger als 10 % der unter Statintherapie berichteten
Muskelbeschwerden tatsächlich pharmakologisch bedingt,
während schwere muskelschädigende Ereignisse eine sel
LDL-C > 55 mg/dL
(bzw. LDL-C-Senkung < 50%) tene Ausnahme darstellen.
Zusammenfassung
PCSK9-Hemmung Therapie unverändert
(Antikörper, Inclisiran) fortführen Zusammenfassend unterstützt das Leitlinienupdate eine bes
sere individuelle Einschätzung des Einzelnen unter Berück
** maximale Dosis 20mg bei Kreatinin-Clearance 30-60 ml/min sichtigung von Vor und Begleiterkrankungen sowie der
Kontraindikation bei Kreatinin-Clearance <30 ml/min.
Familienanamnese.
# < 40 mg/dl bei extrem erhöhtem Risiko bzw. polyvaskulärer Erkrankung
Empfehlung für einen Behandlungsalgorithmus zur LDL-C-Senkung bei Während mit der Bempedoinsäure eine neue Therapieoption
Patienten nach Myokardinfarkt, die bislang noch nicht mit Lipidsenkern hinzukommt, verlieren Fibrate weiter an Bedeutung. Gleich
behandelt wurden, LDL-C: Low-density-Lipoprotein-Cholesterin. zeitig wird die Kombinationstherapie – insbesondere nach
akuten Ereignissen – zum Standard. Auffällig ist zudem die
klare Positionierung gegen Nahrungsergänzungsmittel, für
Statinen. Auf Basis individualisierter Daten aus großen, dop die keine präventive Wirkung nachgewiesen werden konnte.
pelblinden randomisierten Studien wurde systematisch unter
sucht, ob die in Fachinformationen aufgeführten Neben Insgesamt legt die kürzlich publizierte Metaanalyse der
wirkungen – zusätzlich zu den bereits bekannten muskulären Cholesterol Treatment Trialists’ Collaboration nahe, dass
Nebenwirkungen und dem erhöhten Risiko für Diabetes bei Nebenwirkungsangaben in Fachinformationen teilweise Risi
Personen mit PräDiabetes – tatsächlich kausal mit der ken überbetonen, da sie häufig auf wenig robuste Daten
Therapie zusammenhängen. quellen zurückgehen. Eine stärkere Ausrichtung an Evidenz
aus randomisierten Studien könnte dazu beitragen, Fehlinfor
Statine sind ein zentraler Bestandteil der kardiovaskulären mationen und NoceboEffekte zu reduzieren, die Risikowahr
Prävention, ihre Anwendung wird jedoch häufig durch nehmung zu verbessern und die Therapietreue zu stärken.
Berichte über mögliche Nebenwirkungen beeinträchtigt. Die Vor dem Hintergrund des klar belegten Nutzens von Statinen
Analyse umfasst 123.940 Teilnehmende aus 19 placebokont in der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse unterstreichen
rollierten Studien mit einer medianen Nachbeobachtungszeit die Ergebnisse die Bedeutung einer differenzierten und evi
von 4,5 Jahren und bewertet insgesamt 66 potenzielle uner denzbasierten Patientenaufklärung.
wünschte Ereignisse unter strenger Kontrolle der Fehlerrate.
Ein zentrales Ergebnis: Von den ursprünglich 66 gelisteten
unerwünschten Arzneimittelwirkungen konnten lediglich vier Korrespondenzadresse:
eindeutig mit der Statintherapie in Verbindung gebracht wer Ann-Kathrin Berger: ann-kathrin.berger@uks.eu;
den – geringgradig erhöhte Leberenzymwerte, Veränderun Insa Emrich: insa.emrich@uks.eu
gen weiterer Parameter der Leberfunktion, minimale Verän Klinik für Innere Medizin III, Klinik für Kardiologie, Angiologie
derungen der Urinzusammensetzung sowie Ödeme. Die und internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum des
absoluten Risiken dieser Effekte waren dabei sehr niedrig Saarlandes, Homburg
und klinisch meist von begrenzter Relevanz. Für die übrigen
62 Nebenwirkungen, darunter häufig diskutierte Beschwer
den wie kognitive Einschränkungen, Depressionen, Schlafstö
rungen oder sexuelle Dysfunktion, fand sich hingegen kein 13
belastbarer kausaler Zusammenhang.
Saarländisches Ärzteblatt Ausgabe 10/2026

