Page 11 - Saarländisches Ärzteblatt, Oktober 2026
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ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG
Neues aus der Lipidologie: ESC Dyslipidämie FOR TBILDUNG
LeitlinienUpdate 2025 und Einordnung der
Nebenwirkungen einer StatinTherapie
Für die Saarländische Herzallianz: Ann-Kathrin Berger, Bassam
Al-Najjar, Björn Burger, Florian Custodis, Fernando Gatto, Infobox 1
B. Tayfun Kaplan, Thorsten Keßler, M. Kindermann, Insa E. Emrich Nutzen und Sicherheit einer intensiven lipidsenkenden
Therapie mit einem LDLCZielwert ≤ 55 mg/dl
(im Vergleich zum früheren Zielwert von < 70 mg/dl) für
Hintergrund Hochrisikopatient:Innen wurden jüngst nochmals in einer
randomisierten Studie belegt (Lee, N Engl J Med, 2026):
Die europäische Empfehlung zur Behandlung von Fettstoff Hier konnte das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse
wechselstörungen wurde im Jahr 2025 auf Basis neuer wis durch den niedrigeren Zielwert um 33 % gesenkt werden –
senschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet (Mach, Eur Heart J, ohne, dass häufiger unerwünschte Wirkungen auftraten.
2025). Grundlage sind aktuelle Daten aus mehreren klini
schen Studien und Metaanalysen, die seit der letzten Version
2019 veröffentlicht wurden. Die wichtigsten Anpassungen risch identisch mit denjenigen des LDLCholesterins) zur prä
haben wir im Folgenden zusammengefasst. Außerdem gehen ziseren Risikostratifizierung mitberücksichtigt werden. Die
wir auf eine große und aktuelle Studie zu oftmals aufgeführ bekannten Wirkstoffklassen – insbesondere Statine, Ezetimib
ten unerwünschten Wirkungen einer Statintherapie ein. und PCSK9Inhibitoren – behalten ihren festen Platz in der
Therapie.
Risikobewertung
Neu hinzugekommen ist die orale Bempedoinsäure, die so
Zur individuellen Risikoabschätzung im Bereich der Primär wohl eingesetzt werden kann, wenn Statine nicht vertragen
prävention werden die Risikorechner SCORE2 und SCORE2OP werden, als auch als Ergänzung zu Statinen und Ezetimib. Mit
empfohlen, die für die Altersspanne 40 bis 89 Jahre empfoh der Kombination aus hochpotenten Statinen, Ezetimib und
len werden. Mit Hilfe dieser Risikorechner kann die Wahr Bempedoinsäure kann eine Senkung des LDLC um mehr als
scheinlichkeit abgeschätzt werden, wie hoch das Risiko ist, 60 % erreicht werden. Nach der saarländischen Heilmittel
ein kardiovaskuläres Ereignis in den nächsten 10 Jahren zu verordnung 2026 sollte die Bempedoinsäure immer vor der
erleiden. Therapie mit PCSK9Inhibitoren eingesetzt werden.
Ergänzend wurden sogenannte Risikomodifikatoren stärker
in den Fokus gerückt. Dazu zählen sowohl klinische Merkmale
als auch Laborparameter, die das individuelle Risiko zusätz Demographische / Klinische Merkmale
lich beeinflussen und bei Therapieentscheidungen berück • Familiäre Vorbelastung mit vorzeitiger kardiovaskulärer
sichtigt werden sollten. In Tabelle 1 sind diese so genannten Erkrankung (Männer: < 55 Jahre; Frauen: < 60 Jahre)
Risikomodifikatoren zusammengefasst. • Hochrisikogruppe (z.B. südasiatische Ethnie)
Insbesondere in den 2026 aktualisierten AHA/ACC Leitlinien • Stresssymptome und psychosoziale Stressfaktoren
(Blumenthal R et al, Circulation, 2026) wurde die Rolle des • Soziale Benachteiligung
koronaren Kalkscorings (CAC Score) deutlich aufgewertet. • Adipositas
Dieser kann die Therapieentscheidung zur medikamentösen • Bewegungsmangel
cholesterinsenkenden Therapie bei Patienten mit intermedi • Chronische immunvermittelte/entzündliche
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ärem Risiko unterstützen (CAC < 100 AU LDLCholesterin Erkrankungen
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Ziel < 100 mg/dl, CAC 100 – 299 LDLCholesterinZiel < 70 • Schwere psychiatrische Erkrankungen
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mg/dl, CAC ≥ 300 LDLCholesterin < 55 mg/dl). • Vorzeitige Menopause in der Vorgeschichte
• Präeklampsie oder andere hypertensive
Die Zielwerte für LDLCholesterin bleiben unverändert und Schwangerschaftserkrankungen
richten sich weiterhin nach der jeweiligen Risikokategorie. • Infektion mit dem Humanen ImmundefizienzVirus
Zusätzlich können bei Hochrisikokonstellationen als sekun • Obstruktives SchlafapnoeSyndrom
däre Therapieziele – insbesondere bei Patienten mit Diabetes Biomarker
mellitus, kardiorenalmetabolischem Syndrom und Hyper • Anhaltend erhöhte hsCRPWerte (> 2 mg/l)
triglyzeridämie, das NonHDLCholesterin (Zielbereich jeweils
30 mg/dl über dem vordefinierten Zielbereich des LDL • Erhöhtes Lipoprotein (a) (> 50 mg/dl bzw. > 105 nmol/l) 11
Choles terins) sowie das Apolipoprotein B (Zielwerte nume Tabelle 1: Risikomodifikatoren
Saarländisches Ärzteblatt Ausgabe 10/2026

