Page 17 - Saarländisches Ärzteblatt, Oktober 2026
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ÄR Z TLICHE FORTBILDUNG




      ten R­CHOP­Regimes (Leitlinienprogramm Onkologie, 2022b).  ungünstigen Prognose der AML und der begrenzten Fall­  FOR TBILDUNG
      Mit Polatuzumab Vedotin wurde das therapeutische Spek­  zahlen  sind  diese  Unterschiede  jedoch  mit  entsprechender
      trum im Beobachtungszeitraum erweitert. Seit Mai 2022 ist  Zurückhaltung zu interpretieren. Für das DLBCL zeigten sich
      die  Substanz  in  Kombination  mit  Rituximab,  Cyclophospha­  wiederum sehr ähnliche Überlebensraten im Saarland (50%
      mid, Doxorubicin und Prednison (R­CHP) für die Behandlung   bei Frauen, 48% bei Männern) im Vergleich zu den bundes­
      er wachsener Patientinnen und Patienten mit zuvor unbehan­  weiten Angaben (49% bzw. 50%).
      deltem DLBCL zugelassen (European Medicines Agency,
     2022).  Beim  multiplen  Myelom  wurden  insbesondere  Borte­ Qualitätsindikatoren
     zomib, Daratumumab, Lenalidomid, Dexamethason und Cyc­

      lo phosphamid  dokumentiert.  Bortezomib,  Lenalidomid  und  Zur  Beurteilung  der  Versorgungsqualität  wurden  drei  etab­
      Daratumumab wurden 2004, 2007 beziehungsweise 2016 in   lierte QI für hämatologische Neoplasien ausgewertet. Die QI
      der  Europäischen  Union  zugelassen  (European  Medicines   leiten  sich  aus  Empfehlungen  der  evidenzbasierten  S3­Leit­
     Agency,  2004,  2007,  2016a).  Diese  Substanzen  kommen  in   linien  des  Leitlinienprogramms  Onkologie  ab  (Leitlinien pro­
      verschiedenen  etablierten  Kombinationstherapien  zum  Ein­  gramm Onkologie, 2020, 2022a, 2022b). Ihre Operationali­
      satz (Leitlinienprogramm Onkologie, 2022c). Der Anteil von   sierung  erfolgt  auf  Basis  des  bundeseinheitlichen  onkologi­
      Daratumumab nahm im Zeitverlauf leicht zu. Dies weist auf  schen Datensatzes (oBDS) durch die AG Leitlinien­Qualitäts­
      eine zunehmende Bedeutung der Substanz in der Versorgung   indikatoren  der  Plattform  §  65c,  einem  Zusammenschluss
      hin. Für die CLL umfasste das dokumentierte Substanz­  der klinischen Krebsregister der Länder, der die Leitlinien­QI
      spektrum Bendamustin, Ibrutinib, Rituximab, Venetoclax und   für  die  registerbasierte  Auswertung  standardisiert.  Die  Be ­
      Obinutuzumab. Obinutuzumab und Venetoclax wurden 2014   rech nung erfolgte gemäß diesen Rechenregeln.
      beziehungsweise 2016 für die Behandlung der CLL zugelas­
      sen (European Medicines Agency, 2014, 2016b). Damit wur­  Der  QI5  erfasst  den  Anteil  erwachsener  Patientinnen  und
      den  sowohl  Wirkstoffe  klassischer  Chemoimmuntherapien   Patienten bis 60 Jahre mit Erstdiagnose eines Hodgkin­
      als  auch  zielgerichteter  Therapieansätze  erfasst  (Leitlinien­  Lymphoms (ICD­10 C81) im Ann­Arbor­Stadium III A/B oder
      programm Onkologie, 2024). Bei der AML wurden Azacitidin,  Stadium  IV  A/B,  die  eine  Therapie  mit  BEACOPP  eskaliert
      Cytarabin,  Daunorubicin,  Hydroxycarbamid  und  Venetoclax   erhielten. Als Zähler wurden alle Patientinnen und Patienten
      am  häufigsten  dokumentiert.  Azacitidin  wurde  2008  in  der  definiert,  bei  denen  eine  Systemtherapie  dokumentiert
      Europäischen  Union  zugelassen.  Die  Zulassung  von  Veneto­  wurde und das Protokoll BEACOPP eskaliert angegeben war.
      clax wurde 2021 auf die Behandlung der neu diagnostizierten   Im  Beobachtungszeitraum  erfüllten  insgesamt  71%  der
     AML erweitert (European Medicines Agency, 2008; European   infrage  kommenden  Patientinnen  und  Patienten  den  QI
      Commission,  2021).  Die  Anteile  der  einzelnen  Substanzen   (Tabelle 2). Die Anwendungsrate betrug bei den unter
      blieben über den Beobachtungszeitraum weitgehend stabil.  50­Jährigen  72%  und  bei  den  50­  bis  60­Jährigen  66%.  Für
      Insgesamt zeigt das dokumentierte Substanzspektrum deut­  Patientinnen und Patienten über 60 Jahre war dieser Indikator
      liche Bezüge zu den  in den jeweiligen Leitlinien  beschriebe­  aufgrund  der  Altersbegrenzung  nicht  anwendbar.  Die
      nen Therapiekonzepten.                               Beschränkung auf fortgeschrittene Stadien (III und IV) führt
                                                           zu  einer  stark  eingeschränkten  Fallzahl,  was  bei  der  Inter­
      Neben  den  Therapiedaten  wurden  auch  die  absoluten   pretation der Ergebnisse berücksichtigt werden muss. Ins­
      5­Jahres­Überlebensraten der betroffenen Patientinnen und   besondere bei den 50­ bis 60­Jährigen mit nur 15 Fällen sind
      Patienten  analysiert  (Diagnosejahre  2018  bis  2023)  und  mit  die Ergebnisse mit erheblicher statistischer Unsicherheit be ­
      den bundesweiten Referenzwerten verglichen. Im Vergleich   haftet.
     zu  den  bundesweiten  Daten  aus  „Krebs  in  Deutschland
     2021  –  2023“  (Robert  Koch­Institut  und  Deutsche  Krebs­  Der QI3 erfasst den Anteil der Patientinnen und Patienten
      register e. V., 2025) zeigten sich für die betrachteten Entitäten   mit follikulärem Lymphom (ICD­10 C82) im Alter von mindes­
      insgesamt nur geringe Abweichungen zwischen den im   tens 18 Jahren, bei denen im Rahmen einer Bestrahlung als
      Saarland beobachteten absoluten 5­Jahres­Überlebensraten   Erstlinientherapie eine Involved­Site­ oder Involved­Field­
      und den Referenzwerten auf Bundesebene. Beim multiplen   Bestrahlung dokumentiert wurde. Eingeschlossen wurden
      Myelom waren die Überlebensraten im Saarland mit 49% bei   Fälle mit einer Strahlentherapie innerhalb von sechs Monaten
      Frauen und 51% bei Männern nahezu identisch zu den bun­  nach  der  Diagnose  oder  mit  einer  ersten  Strahlentherapie
      desweiten Angaben (50% bzw. 51%). Auch für die CLL zeigten   nach einer zuvor dokumentierten abwartenden Behand­
      sich vergleichbare Ergebnisse, wobei im Saarland für Frauen   lungs strategie.  Bei  52%  der  einbezogenen  bestrahlten  Pati­
      ein Überleben von 73% und für Männer von 71% beobachtet  entinnen und Patienten war eine solche Bestrahlung doku­
      wurde, gegenüber 74% bzw. 69% in den bundesweiten Daten.  mentiert.  Der  Anteil  betrug  bei  den  unter  50­Jährigen  75%,
      Bei der AML lagen die Überlebensraten im Saarland mit 24%   bei  den  50  bis  69­Jährigen  47%  und  bei  den  mindestens
      bei Frauen etwas unter dem bundesweiten Wert von 26%,  70­Jährigen  52%.  Die  Unterschiede  beziehen  sich  auf  die
      während die Rate bei Männern mit 26% geringfügig über  dokumentierte Bestrahlungsform innerhalb der bestrahlten   17
      dem  Bundeswert  von  23%  lag.  Aufgrund  der  insgesamt  Patientengruppe und nicht auf die grundsätzliche Anwen­

                                                                                Saarländisches Ärzteblatt     Ausgabe 10/2026
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