Page 27 - Saarländisches Ärzteblatt, März 2026
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AUS DER K A SSENÄR Z TLICHEN VEREINIGUNG K
V SA
Trinkwasser ist nicht steril – Maßnahmen zum AR L
Erhalt der Trinkwasserhygiene in der Praxis AND
Regelmäßiger Wasseraustausch, ausreichende Durch strö mung, Das in den Leitungen enthaltene Wasser steht und ist nicht
hygienische Temperaturhaltung, Sanitärhygiene – diese Fak- mehr „frisch“. Die Wassertemperatur gleicht sich beim
to ren haben Einfluss auf die Qualität des Trinkwassers. Abstehen der Umgebungstemperatur an d.h. kaltes Wasser
ist nicht mehr richtig kalt. Dass frisches Wasser aus der
Temperaturgrenzen im kalten und Leitung fließt, merken Sie daher am Temperatursprung, der
warmen Trinkwasser einhalten eintritt, wenn frisches Wasser nachfließt.
Ob sich Mikroorganismen in der Trinkwasser-Installation ver- Abwesenheit ab 2 Tagen
mehren, wird erheblich durch die Temperatur beeinflusst. Ist die Praxis mehr als 2 Tage geschlossen, dann lassen Sie
Viele potenziell pathogene Mikroorganismen vermehren sich das Trinkwasser nach Ihrer Rückkehr an allen Ent nahme-
im Temperaturbereich zwischen 25 und 45°C. Die meisten stellen jeweils 5 Minuten fließen.
Mikroorganismen vermehren sich bis zu einer Temperatur Im Wasser immer enthaltenen Keime können sich schnell
von 20°C im Wasser sehr langsam, deswegen sollte das kalte vermehren. Trinkwasser gilt spätestens dann als gesundheit-
Trinkwasser eine Temperatur von 25°C nicht übersteigen. lich bedenklich. Das Ablaufenlassen von Wasser über meh-
Das kalte Trinkwasser sollte sich grundsätzlich so wenig wie rere Minuten entfernt das Stagnationswasser aus den
möglich erwärmen. Für warmes Trinkwasser ist die Art der Leitungen.
Trinkwassererwärmung, die Anlagengröße und die Verteilung Öffnen Sie mehrere Entnahmestellen gleichzeitig, erhöhen
im Gebäude relevant. Grundsätzlich liegt die Temperatur- Sie damit die Strömungsgeschwindigkeit in den Leitungen
untergrenze für warmes Wasser – aus hygienischen Gründen – und der Spülvorgang wird noch effektiver.
bei 55°C.
Abwesenheit ab 7 Tagen
Bestimmungsgemäßer Betrieb – Wasseraustausch Sind Sie mehr als 7 Tage abwesend ist es ratsam, Ihnen
bekannte Personen damit zu beauftragen, die Trinkwasser-
Bestimmungsgemäßer Betrieb beinhaltet u.a., dass das entnahmestellen in der gesamten Praxis während Ihrer Ab -
Wasservolumen in jeder Leitung durch Nutzung oder Ent- wesenheit zu spülen.
nahme alle drei Tage vollständig gewechselt werden muss. Ein hinreichender Wasseraustausch muss stattfinden! Wich
Wollen Sie Ihre Praxis sanieren, renovieren oder neue Pra xis- tig dabei: Alle Entnahmestellen spülen!
räume errichten, dann achten Sie bei der Planung auf Wirt-
schaftlichkeit und berücksichtigen Sie neben den wichtigen Selten genutzte Entnahmestellen
Maßnahmen zur Wasser- und Energieeinsparung auch, dass Selten genutzte Entnahmestellen sollten mindestens alle 72
ein hygienisch ausreichender Wasseraustausch stattfindet. Stunden jeweils 5 Minuten gespült werden. Wir empfehlen
Überdimensionierte Leitungen, Warmwasserspeicher und Ihnen einen Spülplan zu erstellen. Der Plan legt fest, wie und
Apparate sowie stagnierende Trinkwasserleitungen entspre- in welchen Abständen die selten genutzten Entnahmestellen
chend nicht dem aktuellen Stand der Regelwerke. gespült werden müssen, um Ablagerungen und Biofilm bil
dung zu minimieren und evtl. retrograde Verkeimungen zu
Maximaler Wasseraustausch bei optimaler vermeiden.
Durchströmung und minimalem Volumen
Hygiene an der Trinkwasserentnahmestelle
Die Dimension der Trinkwasserleitungen bestimmt den An „Perlatoren“ resp. Strahlreglern am Ende der Trink was-
Wasseraustausch und die Durchströmung. Der „Flow“ d.h. serentnahmestelle, welche die „Schnittstelle“ der Trink was-
die Strömungsgeschwindigkeit ist u.a. ein wichtiger Faktor ser-Installation zur „Außenwelt“ darstellen, bilden sich – je
um die Vermehrung von Mikroorganismen im Trink wasser- nach Wasserhärtegrad und durch Verdunstung – Kalk- und
leitungssystem zu minimieren. Konkrementablagerungen. Diese Beläge stellen eine ideale
Vermehrungssituation für Mikroorganismen dar.
Praktische Tipps für „sauberes“ Trinkwasser Die Strahlregler sollten regelmäßig im Abstand von ca. 4 bis 6
in der Praxis Wochen ausgebaut und mit z.B. Entkalker gereinigt werden.
Wenn die Strahlregler sichtbar beschädigt sind sollten diese
Abwesenheit bis zu 2 Tagen ausgetauscht werden.
Bei einer Abwesenheit von 4 Stunden bis zu 2 Tagen genügt Je regelmäßiger und häufiger an allen Entnahmestellen in
es, das Stagnationswasser ablaufen zu lassen, d.h., das Ihren Praxisräumen Wasser entnommen wird, desto zuver- 27
Wasser laufen lassen, bis es spürbar kühler wird. lässiger erhalten Sie ein reines und genusstaugliches Trink-
Saarländisches Ärzteblatt Ausgabe 3/2026

